Vom persischen Schah zu Taktik und Strategie

 

Schachspiel(en) galt Jahrhunderte lang als Paradestück des menschlichen Verstands: Der wahre Meister besticht durch tiefgründige, weit vorausschauende Pläne, durch glasklare Logik, aber auch durch Intuition und kreative Ideen. Hier kommt ein wissenschaftliches Problem zum Vorschein: Das Schach ist kein Glücksspiel, alle Regeln sind exakt definiert wie in einer Mathematik-Aufgabe, und dennoch kann man die Züge nicht ausrechnen. Die Zahl der theoretisch möglichen Stellungen wird auf 2,28 · 1046geschätzt. Bereits nach zwei Zügen können 72.084 verschiedene Stellungen entstehen. Die Zahl der möglichen Spielverläufe ist noch einmal um ein Vielfaches größer: bereits für 40 Züge lange Partien gibt es etwa 10118verschiedene Spielverläufe.

 

Schach (von persisch: Schah,für „König“) ist ein strategisches Brettspiel, bei dem zwei Spieler abwechselnd Spielfiguren auf einem Spielbrett bewegen. Ziel des Spiels ist es, die als Königbezeichnete Spielfigur des gegnerischen Spielers so anzugreifen, dass diesem keine Abwehr durch das Schlagen(Entfernen) der angreifenden Figur, durch das Schützen des Königs mit Hilfe einer eigenen Figur oder durch das Ausweichen des Königs auf ein nicht angegriffenes Feld mehr möglich ist. Eine solche finale Stellung wird Schachmatt genannt (vom Arabischen aš-šāh māta= der Schah ist gestorben) und bedeutet das Ende des Spiels mit dem Sieg des mattsetzenden Spielers. Dabei ist das spielerische Können der Kontrahenten maßgeblich entscheidend und nicht der Zufall.

Strategie ist die Entwicklung eines Planes zur Spielführung im Verlauf einer Schachpartie. Sie ist auf ein längerfristiges Spielziel ausgerichtet. Der Plan muss von den Besonderheiten der Stellung auf dem Brett ausgehen und bedeutet, dass die Positionierung jedes einzelnen Bauern und jeder einzelnen Figur entscheidenden Einfluss auf die Bewertung der Lage haben kann.

Die Stellungsbewertung ist deshalb der erste Schritt beim Entwickeln eines strategischen Planes. Diese verläuft zum großen Teil unbewusst, sollte jedoch vom Spieler bewusst wahrgenommen werden. Folgende Faktoren spielen bei der Stellungsbewertung eine Rolle:

  1. Materialverhältnis (das leicht abgezählt werden kann),

  2. Konkreten Drohungen (taktischer sowie strategischer Natur beider Seiten),

  3. Sicherheit der jeweiligen Könige,

  4. Kontrolle über wichtige Linien und Diagonalen,

  5. Bauernstruktur, insbesondere Bauernschwächen und sonstige starke und schwache Punkte.

  6. Grad der Zusammenspielmöglichkeiten der eigenen sowie der gegnerischen Figuren,

  7. Verhältnis von Kraft, Raum und Zeit, welches bei jeder Stellungsbewertung neu erfasst werden muss.

Taktik ist im Schachspiel die koordinierte Anwendung von Kombinationsmotiven nach Kraft, Raum und Zeit mit dem Ziel, Überlegenheit oder Gleichgewicht herzustellen. Kombinationsmotive können Elemente wie Abzug, Doppelangriff, Fesselung oder Schachgebot sein. Überlegenheit oder Gleichgewicht kann direkt durch Schachmatt, Patt oder Dauerschach erreicht werden. Taktik ist auf ein relativ kurzfristiges Ziel ausgerichtet. Im Allgemeinen spricht man von taktischen Stellungen, wenn eine längere Folge beiderseits erzwungener Züge zu berechnen ist. Mit taktischen Mitteln können schrittweise strategische Ziele erreicht werden.

 

Quellen: Elemente aus Wissenschaftliche Schachtheorie und Wikipedia