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Schachklub Bad Krozingen feierte 25-jähriges Jubiläum mit einem Simultanturnier gegen Großmeister Artur Jussupow

Etwas ganz Besonderes hatte sich der Schachklub Bad Krozingen zum 25-jährigen Bestehen ausgedacht – ein Simultanturnier mit dem deutschen Schachgroßmeister und früheren Weltklassespieler Artur Jussupow. Dank der Unterstützung durch die Kur und Bäder GmbH Bad Krozingen, die Volksbank Breisgau-Süd, die Sparkasse Staufen-Breisach und das Herzzentrum Bad Krozingen konnte das Turnier initiiert werden.

Schachspieler gelten allgemein als ruhige, grübelnde Denker. Das ist natürlich ein Vorurteil. Denn am Samstag, dem 26. April, haben sie ab 14 Uhr im Kurhaus ein Feuerwerk mit und gegen den Schachgroßmeister Artur Jussupow entfacht. Mit dem Simultanturnier setzte der Schachverein einen weiteren Glanzpunkt in die 1200 Jahrfeier der Stadt Bad Krozingen – auch wenn im Turniersaal nur im Flüsterton gesprochen wurde. Artur Jussupow stellte sich gegen 40 heimische Schachspieler. Leise Zuschauer waren herzlich willkommen!

Nach 4 1/2 Stunden hatte Grossmeister Jussupow alle Partien beendet. Wider Erwarten konnten sich zwei Spieler gegen den Grossmeister durchsetzen: Volker Stolle vom SK Freiburg-Zähringen 1887 e. V. sowie Alexander Malzew vom SK Schwarz-Weiss Merzhausen e. V. Ein Remis erzwangen Hanspeter Becker (Spvgg Untermünstertal e. V.), Lukas Fervers (SK Freiburg-Zähringen 1887 e. V.), Gregor Haag (SC Brombach e. V.), Dr. Peter Barth (SC Sölden e. V.) und Bernhard Hermann (SC Gundelfingen e. V.). Herzliche Gratulation für die hervorragende Leistung!

Welcher Schachfan träumt nicht davon, ein Mal gegen einen Weltstar des Schachsports eine bessere Stellung zu haben und diese sogar zum vollen Punkt zu führen? Diese Chance erhalten sie in der Regel nur, wenn sich der Meister in einem Simultanturnier die Ehre gibt und an mehreren Brettern antritt und so eine größere Anzahl an Amateuren gleichzeitig herausfordert. Viele Schachspieler wollen gewinnen. Noch lieber tun sie das gegen einen Großmeister wie Artur Jussupow, einst Anwärter auf die Schachkrone, Bundesligaspieler und vor allem Schachdidakt.

Viele Jahre gehörte der Juniorenweltmeister von 1977 zur Weltspitze im Schach. Artur Jussupow war in den 80er und 90er Jahren ein heißer Anwärter für die WM-Kandidaten-Qualifikation (damals wurden von der FIDE noch regelmäßig und geordnet Ausscheidungskämpfe zur Qualifikation des WM-Herausforderers organisiert). Jussupow war 1986 hinter Kasparow und Karpow immerhin die Nummer 3 der Welt. 1995 sekundierte er Herausforderer "Vishy" Anand gegen den amtierenden Weltmeister Garri Kasparow.

Abseits vom Schachbrett nahmen Artur Jussupows Leben und Schachkarriere einen dramatischen Verlauf: Als Jussupow 1990 bei einem Raubüberfall in seiner Moskauer Wohnung niedergeschossen wurde, trat er nach seiner Genesung den Weg in den Westen an. 1991 kam er im Rahmen eines Engagements bei Bayern München nach Deutschland und machte sich daraufhin in Süddeutschland sesshaft. Heute spielt er in der Schach-Bundesliga für die SG 1868 Aljechin Solingen. Seine Frau Nadia ist Fide-Meisterin und spielt im heimischen SK Krumbach (Bezirk Mittelschwaben) wie auch die mittlerweile erwachsenen Kinder Alexander und Ekaterina.

Ein Simultanturnier ist etwas Besonderes: Die größte Simultanveranstaltung fand am 19. November 1966 in Havanna (Kuba) statt. Der offizielle Guinness Weltrekord besagt, dass 2005 in Ben Gurion Cultural Park in Pachuca, Mexico, 12.388 Spieler an einem Simultanturnier teilnahmen. Allerdings ist die Zahl der teilnehmenden Meister nicht verzeichnet. Der Weltrekord im Simultanschach mit einem Meisterspieler wird derzeit von Zsuzsa Polgar gehalten, die im August 2005 in Florida gegen 321 Gegner antrat.

Dass man Simultanturniere auch ohne Ansehen des Schachbretts spielen kann, haben einige Großmeister im Laufe der Schachgeschichte bewiesen. Als hervorragende Blindsimultanspieler profilierten sich unter anderem der US-Amerikaner Harry Nelson Pillsbury, der österreichisch-ungarische Meister Richard Réti, der Ungar Gyula Breyer, der russisch-französische Weltmeister Alexander Aljechin und der polnische Großmeister Miguel Najdorf. Den Rekord hält George Koltanowski (USA), der 1961 gleichzeitig gegen 56 Teilnehmer blind spielte. Er gewann 50 Partien und spielte sechsmal remis, allerdings handelte es sich bei seinen Gegnern überwiegend um Anfänger. Der Ungar János Flesch behauptete, 1970 sogar gegen 62 Spieler blind gespielt zu haben. Dies wurde aber nicht allgemein anerkannt, zumal die Partien dieser Veranstaltung nicht veröffentlicht wurden. Belegt ist aber eine Vorstellung von Flesch am 17. Oktober 1960 in Budapest gegen 52 Gegner (+31, -3, =18).

Beeindruckend sind auch Blindsimultanvorstellungen gegen vergleichsweise starke Gegner. Beispielsweise spielte Ex-Weltmeister Garri Kasparow im Juni 1985 in Hamburg eine Vorstellung gegen 10 starke Gegner unter einer Zeitkontrolle von eineinhalb Stunden pro 40 Züge, mit einer zusätzlichen halben Stunde für den Blindspieler zum Ausgleich der Zeiteinbuße bei der Zugübermittlung durch Boten. Kasparow gewann mit dem Ergebnis 9:1 (+8, =2, -0).

Der deutsche Großmeister Robert Hübner spielte 1997 blind gegen die Mannschaft SF Köln aus der 2. Schachbundesliga. Er gewann den Kampf an 6 Brettern mit 5,5-0,5, d. h. er gewann 5 Partien, nur eine Partie endete remis. Zwei Jahre später, am 25. September 1999, gewann er in Berlin gegen den Zweit-Bundesligisten SC Kreuzberg an 8 Brettern mit 6,5:1,5 (+5, =3, -0). Ein starker Blind-Simultan-Spieler war auch der deutsche Meister und zweimalige Pokalsieger Siegmund Wolk, der in den 1950er Jahren in Süddeutschland gegen bis zu 15 Gegner ohne Ansehen des Bretts antrat. (Quelle .www.wikipedia.de)