Wer ist eigentlich Schachweltmeister?
Die Frage war lange Zeit gar nicht so leicht zu beantworten, weil im internationalen Wettkampfschach über zehn Jahre lang Streit herrschte. Der Streit wurde nach langem Hin und Her beigelegt, und es gibt wieder einen einzigen und von allen anerkannten Weltmeister.
Im Moment ist dies Viswanathan Anand. Er hat seinen Titel ab dem 21. April 2010 gegen Veselin Topalov in Bulgariens Hauptstadt Sofia verteidigt.
Ein kleiner Rückblick ist nötig, um zu verstehen, wie es zum Streit kam: Kasparov gewann 1986 gegen Karpov den Weltmeistertitel. Der Titel wird seit 1946 von der FIDE, dem Weltschachbund vergeben. Im Jahr 1993 verständigte sich Gary Kasparov mit dem Herausforderer Nigel Short, den Kampf um die Weltmeisterschaft ohne die FIDE durchzuführen. Kasparov ärgerte sich, dass die FIDE aus den Sponsorengeldern für die WM-Kämpfe immer einen ordentlichen Teil für sich abzwackte. 1993 gegen Short und 1995 gegen Anand hat Kasparov seinen Titel erfolgreich verteidigt, dann spielte er einen WM-Kampf gegen Vladimir Kramnik - und verlor. Damit war Kramnik Weltmeister in dieser Linie. Er nannte sich Weltmeister im Klassischen Schach, weil er den Titel traditionell im Wettkampf gegen seinen Vorgänger gewonnen hatte. Im September/Oktober 2004 verteidigte Kramnik seinen Titel gegen Peter Leko.
Die FIDE hat gleich 1993 Kasparov "exkommuniziert" und einen alternativen WM-Kampf organisiert, den Karpov gegen Jan Timman gewann. 1996 hat Karpov seinen Titel gegen Kamsky verteidigt. Das war der letzte von der FIDE organisierte WM-Kampf, der im klassischen Stil mit einem Wettkampf über viele Partien vergeben wurde. Dann hat der neue Präsident der FIDE Kirsan Ilyumzhinov, gleichzeitig der Staatspräsident der autonomen russischen Republik Kalmückien, das System geändert. Von nun an gab es ein K.O.-System mit vielen Spielern, bei denen zwei Partien gespielt werden, in den Schlussrunden vier bis acht Partien. Bei Gleichstand folgen Stichkampfpartien mit verkürzter Bedenkzeit. Hier wurden Weltmeister: 1998 Karpov, 1999 Khalifmann, 2000 Anand, 2002 Ponomariov, 2004 Kazimdhanov.
Im Jahr 2005 hat die FIDE einen neuen Modus eingeführt, da das K.O.-System von den Spitzenspielern nicht akzeptiert wurde. Bei der WM in San Luis wurden der letzte FIDE-Weltmeister und die besten Spieler nach der Weltrangliste eingeladen. Diese Turnier gewann Veselin Topalov.
In 2006 fand dann die so genannte Wiedervereinigungs-WM statt. Ein Wettkampf im alten System der Zweikampfs über 12 Runden mit anschließenden Tiebreak-Runden im klassischen Stil zwischen dem amtieren Schach Weltmeister Wladimir Kramnik und dem amtierenden FIDE-Weltmeister Veselin Topalov. Aus diesem Kampf ging nach einigen Querelen Kramnik als Sieger hervor.
Kramnik hatte der FIDE zugesagt, auch bei der folgenden WM in Mexiko, die in Turnierform ausgetragen wurde, mitzuspielen, wenn er danach noch das Recht auch einen Revanche-Wettkampf in der klassischen Matchform erhalten würde. Das WM-Turnier in Mexiko 2007 gewann Viswanthan Anand. Im Revanche-Wettkampf verteidigte Anand dann seinen Titel beim Wettkampf in Bonn 2008 gegen Vladimir Kramnik und blieb amtierender Weltmeister. Sein Herausforderer für das nächste WM-Match ist Veselin Topalov. Dieser Wettkampf soll im Jahr 2009 stattfinden.
Die Schach-Weltmeister
1886-1894 Wilhelm Steinitz (Österreich)
1894-1921 Emanuel Lasker (Deutschland)
1921-1927 José Capablanca (Kuba)
1927-1935 Alexander Aljechin (UdSSR)
1935-1937 Max Euwe (Niederlande)
1937-1946 Alex. Aljechin (UdSSR)
1948-1957 Michail Botvinnik (UdSSR)
1957-1958 Vassily Smyslov (UdSSR)
1958-1960 Michail Botvinnik (UdSSR)
1960-1961 Michail Tal (UdSSR)
1961-1963 Michail Botvinnik (UdSSR)
1963-1969 Tigran Petrosjan (UdSSR)
1969-1972 Boris Spassky (UdSSR)
1972-1975 Robert James Fischer (USA)
1975-1985 Anatoli Karpov (UdSSR)
1985-2000 Garri Kasparov (UdSSR/Russland)
2000-2007 Wladimir Kramnik (Russland)
Die FIDE-Weltmeister nach 1993
1993-1998 Karpov
1998 Karpov (nach Qualifikation im K.O.-Modus)
1999 Khalifman (K.O.-WM)
2000 Anand (K.O.-WM)
2002 Ponomariov (K.O.-WM)
2004 Kazimdzhanov (K.O.-WM)
2005 Topalov (Rundenturnier)
Die Schach-Weltmeister nach der Wiedervereinigung 2006
2006-2007 Wladimir Kramnik (Russland)
2007- heute Viswnathan Anand


