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Gedanken zum Schachspiel
Jedes Schachspiel erfordert volle Aufmerksamkeit. Bei jedem Spiel sind Fantasie und Kombinationsvermögen, sind Ausdauer und Konzentration gefragt. Schach ist ein Denksport, kein Geschicklichkeits- und schon gar kein Glücksspiel. Sicher sind auch gute Nerven gefragt, doch vor allem geht es um ein geistiges Kräftemessen, darum, sich in die Spielstellung zu vertiefen, die eigenen Züge langfristig zu planen und auf überraschende Gegenzüge eine schlagende Antwort zu finden.

In dieser nervlich angespannten Situation können kleine Gedichte = andere Gedanken hilfreich sein. Wir haben eine kleine Auswahl zusammen gestellt. Eine weitere Sammlung finden Sie
hier

Eugen Roth

 

1895 - 1976
München

 

Die Meister 

Ein Mensch sitzt da, ein schläfrig trüber,
ein andrer döst ihm gegenüber,
sie reden nicht, sie sitzen stumm.
Mein Gott, denkst du, sind die zwei dumm!
Der eine brummt, wie nebenbei
Ganz langsam: Turm a sechs a zwei.
Der andere wird allmählich wach und knurrt:
Turm e drei d drei Schach!
Der erste, weiter nicht erregt,
starrt vor sich hin und überlegt.
Dann plötzlich, vor Erstaunen platt,
seufzt er ein einzig Wörtlein: Matt.
Und die du hieltst für niedre Geister,
erkennst du jetzt als hohe Meister!

Erwin Curatz

Wer keine Spannung kann ertragen,
der wird beim Schach umsonst sich plagen.
Nicht ganz ist Denken zu verwerfen,
doch ausschlaggebend sind die Nerven.

Hans Jörgen Urstöger
 

 1944 - ....
Hallstadt

Wer findet für Schach das richtige Wort?
Ist's Wissenschaft oder ist's Sport?
Ist es Kunst oder schönes Spiel?
Ich glaub es hat von jedem viel,
Hier ruft zur Hilfe jeder seine Geister,
hier findet jeder seinen Meister.

Eugen Roth

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt
Doch oft hat sich herausgestellt,

Nach manchem trüb verbrachtem Jahr,

Dass dies der einzige Lichtblick war.

Gottlieb Konrad Pfeffel

1736 - 1809
Colmar

Das Schachspiel 

Auf einem Schachbrett stand der Steine bunte Schar
Nach Stand und Würden hingepflanzt;
Der hölzerne Monarch und seine Dame war
Von Reisigen und Türmen rund umschanzt.
Die Läufer, oder wenn wir sie
Nach gallischem Kanzleistil nennen wollen,
Die Narren spielten große Rollen.
Die Bauern, gar ein zahmes Vieh
So lange sie nicht ihre Stärke kennen,
Die Bauern mussten vorne dran,
Um sich zuerst die Köpfe zu verrennen.
Das deutungsvolle Spiel begann.
Gewalt und List regierten das Gefechte;
Hier ward der Knecht vom Herrn und dort der Knecht vom Knechte,
Oft gar der Herr durch seinen Hintermann

Von seinem Platz verdrängt. Der stolze Großsultan
Sah unbewegt zur Rechten und zur Linken
Die Hälfte seiner Nation,
Als Opfer des Geschicks, zu Boden sinken,
Und endlich fiel auch er vom Thron.
Jetzt nimmt der Herr des Spiels, der allen Steinen

Die Rollen ausgeteilt und selbst sie aufgestellt,
Sie weg, und wirft vermengt die Großen und die Kleinen
In einen dunkeln Sack. Dies ist das Bild der Welt.